Regelkunde & Schiedsrichter

Abseits beim Einwurf: Gibt es das? Regel und Beispiele

Eine der häufigsten Missverständnisse im Amateurfußball: Gibt es Abseits beim Einwurf? Die Regel ist eindeutig — aber das Warum kennen wenige.

· von Benjamin Bohl · 4 Min. Lesezeit

Eine der häufigsten Missverständnisse im Amateurfußball: Gibt es Abseits beim Einwurf? Die Antwort ist eindeutig — nein. Die IFAB-Regel ist klar, aber das Warum kennen nur wenige.

Die Regel kurz und scharf

IFAB Regel 11, Abschnitt "Keine Abseitsstellung":

Ein Spieler steht nicht im Abseits, wenn er den Ball direkt von einem Einwurf, einem Abstoß oder einem Eckstoß erhält.

Bedeutet: Du kannst direkt von einem Einwurf auf einen Mitspieler werfen, der vor dem letzten Verteidiger steht und sich Richtung Tor bewegt — kein Abseits.

Warum ist beim Einwurf kein Abseits?

Historische und praktische Gründe:

Spielfluss-Wiederherstellung Ein Einwurf ist eine Spielfortsetzung nach einem Aus, kein aktiver Angriffszug. Den Vorteil "Abseits" damit zu kombinieren wäre defensiv schwer kontrollierbar — der Werfer kann den Ball überall hinwerfen, der Verteidiger kann nicht aktiv pressen wie beim laufenden Spiel.

Begrenzte Reichweite Ein Einwurf hat eine begrenzte Wurfweite (typisch 20-30 m bei Profis, 10-20 m im Amateur). Der "Vorteil" ist also natürlich begrenzt.

Konsistenz mit anderen Spielfortsetzungen Beim Abstoß und Eckstoß gilt dieselbe Regel. Alle drei sind Spielfortsetzungen, alle drei haben dieselbe Abseits-Ausnahme.

Was passiert nach dem Einwurf?

Sobald ein zweiter Spieler den Ball berührt, gilt wieder normale Abseits-Regel.

Beispiel:

  • Spieler A wirft ein, Spieler B steht 5 m vor dem letzten Verteidiger → kein Abseits, B bekommt den Ball
  • B passt jetzt zu Spieler C, der ebenfalls weit vor dem letzten Verteidiger steht → jetzt ist es Abseits

Praxistipp: Der Werfer kann seinen Mitspieler bewusst in eine Position bringen, die rechtmäßig "Abseits" wäre — aber sobald der Ball weitergespielt wird, muss derjenige aus dieser Stellung raus, sonst gibt's Abseits.

Häufiger Irrtum: "Der eigene Werfer kann nicht abseits sein"

Falsch — er KANN abseits sein, aber nur indirekt. Wirft Spieler A ein und sprintet selbst Richtung Tor, kann er später ins Abseits laufen, falls ein Mitspieler ihn anspielt. Der Einwurf selbst macht ihn nicht abseits-fest, sondern nur den Empfänger des Wurfs.

Ein praxisrelevanter Sonderfall: der weite Einwurf

In manchen Spielen — vor allem bei Profis mit speziellem Wurftraining — sind Einwürfe von 25-30 m direkt vor das Tor möglich. Damit wird der Einwurf de facto wie ein Eckball.

Was passiert dabei?

  • Werfer A wirft 28 m direkt in den Strafraum
  • Stürmer B steht zwischen den Verteidigern und macht das Tor → kein Abseits, Tor zählt

In der höchsten deutschen Liga sind solche "Wurf-Einwürfe" selten, im Profibereich englischer und walisischer Liga teilweise Standardtaktik.

Gilt das auch beim Schiedsrichterball?

Nein. Der Schiedsrichterball ist KEINE der drei Einwurf-ähnlichen Spielfortsetzungen (Einwurf, Abstoß, Eckstoß). Beim Schiedsrichterball gilt normale Abseits-Regel ab der Berührung des ersten Spielers.

Ablauf:

  1. Schiedsrichter lässt den Ball fallen
  2. Erster Spieler berührt den Ball
  3. Ab diesem Moment normale Spielregeln inkl. Abseits

Andere Spielfortsetzungen ohne Abseits

Komplette Liste (IFAB Regel 11):

  • Einwurf: kein Abseits
  • Abstoß: kein Abseits
  • Eckstoß: kein Abseits

Alle anderen Spielfortsetzungen (Freistoß direkt/indirekt, Strafstoß, Anstoß, Schiedsrichterball) → normale Abseits-Regel.

Häufige Schiedsrichter-Fehler im Amateurbereich

  1. Falsche Pfeife auf "Abseits" nach Einwurf: Klassiker. Der Schiri vergisst die Ausnahme. Korrekturen sind erlaubt, falls Linienrichter rechtzeitig Hinweis gibt.

  2. Spät Pfeife nach Einwurf: Spieler läuft aus dem "Abseits" raus, kein Pfiff — aber dann passt er weiter, neuer Abseits-Check. Das ist OK so. Der Schiri muss aber die zwei Abseits-Checks sauber trennen.

  3. Verwechslung mit Eckstoß: Auch Eckstoß ist abseitsfrei. Im Eifer des Gefechts wird das manchmal gepfiffen — falsch.

Fazit

Gibt es Abseits beim Einwurf? Nein. Stand IFAB-Regel 11 seit Jahrzehnten konstant. Wenn dein Verein einen Wurfspezialisten hat, der präzise in den Strafraum wirft, ist das ein unterschätztes Offensiv-Tool — Verteidiger sind oft mental auf "Standard"-Verteidigung eingestellt und vergessen die abseits-freie Regel.

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Häufige Fragen

Gibt es Abseits beim Einwurf?
Nein. Spieler können sich beim Einwurf nicht im Abseits befinden — Regel 11 (Abseits) der IFAB schließt direkten Einwurf, Eckstoß und Abstoß explizit aus. Ein Mitspieler darf den eingeworfenen Ball auch in unmittelbarer Tornähe annehmen.
Warum gibt es kein Abseits beim Einwurf?
Die Regel existiert seit 1925, weil ein Einwurf von der Seitenlinie kommt — also seitwärts statt rückwärts. Ohne Abseits-Ausnahme wäre der Einwurf taktisch praktisch nutzlos, weil jeder weite Einwurf in den Strafraum automatisch im Abseits enden würde.
Gilt die Ausnahme auch beim Eckstoß und Abstoß?
Ja. Genauso wie beim Einwurf gibt es weder beim Eckstoß noch beim Abstoß ein Abseits. Erst sobald ein Mitspieler den Ball nach dem Einwurf/Eckstoß/Abstoß weiterleitet, gilt wieder die normale Abseits-Regel.
Was passiert wenn ein Spieler den Einwurf direkt zu einem Mitspieler im Abseits wirft?
Der Mitspieler darf den Ball annehmen — kein Pfiff. Erst beim zweiten Pass (dem Ball, den der Empfänger weiterspielt) greift die Abseits-Regel wieder. Diese Detail-Regel ist im Amateurfußball oft unbekannt und führt regelmäßig zu falschen Pfiffen.